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Tiefe oder Breite?


Wer für sein Unternehmen, seine Organisation oder sogar für sich selbst Software einkauft steht vor einer Vielzahl an Entscheidungen und Möglichkeiten. Eine der wichtigsten ist die, ob man in die Breite oder in die Tiefe geht. Auf Neudeutsch: Best-of-Breed oder Best-of-Suite. Aber was ist das?

  • Best of Breed sind Software-Pakete, die eine Sache machen, die aber richtig gut. In der Bildbearbeitung wäre das zum Beispiel eine Software zum Nachschärfen von Fotos. Sie tut das, sonst aber nichts.

  • Best of Suite sind dagegen Software-Pakete, die eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten bieten, naturgemäß aber nicht alles bis zur Perfektion treiben.

Klingt einfach. Tatsächlich bewegen sich aber viele nicht an den Rändern dieses Kontinuums und decken noch dazu ganz unterschiedliche Gebiete ab. Aber wie entscheiden?


Wichtiger Ausgangspunkt für die Entscheidung ist, zu wissen, was man mit insgesamt so tun will, in einem absehbaren Zeitrahmen. Welche Prozesse sind überhaupt da und welche sollen digitalisiert werden? Und in welcher Reihenfolge bzw. mit welcher Priorität?


Die nächste Frage, die sich heute (noch) stellt ist die, ob man in die Cloud will oder nicht. Bedenken zur Sicherheit, zum Datenschutz und zur Governance sind bei uns noch weit verbreitet - in anderen Märkten gibt es hier schon länger mehr Offenheit. Software-Anbieter gehen aber zunehmend in eine Cloud-only-Strategie - die Optionen für On-Premises schwinden daher wohl in Zukunft weiter.


Dann geht es an die Marktsondierung. Welche Pakete gibt es oder ist schon vorhanden, und welchen Ausschnitt der Landkarte decken die Pakete zufriedenstellend ab?


Wichtig ist es dabei, die Anforderungen der Fachabteilungen nicht nur im Auge zu haben, sondern Ernst zu nehmen. Nur, weil eine ERP-Software die Anforderungen der Finanzabteilung super abdeckt muss sie nicht unbedingt ein CRM-Modul besitzen, mit dem der Vertrieb etwas anfangen kann.


Naja, dann könnte man ja gleich in Richtung Best-of-Suite gehen und jeder Abteilung das ideale Tool in die Hand geben (sagen wir mal, dass Geld keine Rolle spielt)? Prinzipiell ja, hier muss man aber die Integrationsaufwände zwischen den Paketen in Betracht ziehen - und der Reibungsverlust an den Schnittstellen. Weil Daten gar nicht übertragen werden oder nur zeitversetzt.


Eine ideale Lösung für die Gleichung gibt es nicht, das hängt sehr stark vom Unternehmen und den Ansprüchen ab. Generell lässt sich sagen, dass kleinere Unternehmen mit breiteren Paketen etwas besser bedient sind - der Integrationsaufwand ist unabhängig von der Unternehmensgröße gleich groß, größere Unternehmen haben hier Skalenvorteile.


Mit der zunehmenden Bewegung in die Cloud schwinden diese Vorteile zusehends. Praktisch alle Anbieter von Best-of-Breed-Diensten in der Cloud haben Schnittstellen zu den wichtigsten Playern aus den angrenzenden Bereichen. So lässt sich das CRM Pipedrive mit dem Newsletter-Tool Mailchimp mit wenigen Klicks integrieren. Traditionelle Anbieter von On-Premises-Software (also solcher Software, die im Unternehmen selbst auf einem Server läuft) hinken hier hoffnungslos hinterher und hoffen wohl auch stark auf den Lock-In-Effekt der bereits eingekaufen, installierten und funktionierenden Software.


Die Entscheidungsfindung ist also nicht ganz so einfach und sollte sich nie nur auf die nächste Problemstellung beschränken. Ansonsten läuft man Gefahr, dass mehr Kosten anfallen als notwendig, oder - noch schlimmer - Wettbewerbsnachteile entstehen, weil Daten nicht an der richtigen Stelle vorhanden sind, Fehler passieren und am Ende des Tages der Kunde nicht professionell bedient werden kann.